Bürgerforum Stadtraum NEIN
Sehr geehrte Stimmbürgerinnen und Stimmbürger

Auf den folgende Seiten möchten wir Sie mit Argumenten für ein NEIN zu diesem 100 Millionen Franken teuren Strassenbauprojekt Neue Jonastrasse - St. Gallerstrasse überzeugen. Es kommt am 17. November 2019 zur Abstimmung. Sie finden auch Vorschläge unsererseits für eine moderne zeitgemässe Stadtentwicklung mit Augenmass und unter Rücksichtnahme auf Langsamverkehr, Umwelt und betroffene Bevölkerung.

Bürgerforum Stadtraum – NEIN

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Politik
Für die Realisierung dieser einzigen Ost-West-Verbindung…

Für die Realisierung dieser einzigen Ost-West-Verbindung «Lebensader» werden Landabtretungen von 12’000 m2 (rund zwei Fussballfelder) eingefordert. Betroffen sind rund 130 Grundeigentümer (Quelle Stadt RJ; Detaildokumentation). In letzter Konsequenz fänden Enteignungen statt.

Das Stimmvolk hätte nach einem allfälligen «JA» zum Projekt in den nächsten Jahren keine Mitsprache mehr beim Projekt. Ausgenommen der Bereich «Tüchelweiher» aufgrund des vorgesehenen innerstädtischen Tunnelanschlusses oder bei namhaften Veränderungen der jetzt vorgelegten Pläne.

Der Souverän soll jetzt schon über ein Vorprojekt abstimmen, das noch viele Lücken, Wenn und Aber aufweist. Das sind u.a.: Städtische Zonenplanung, Festlegung neuer Baulinien, Strassenraumgestaltung, Umweltverträglichkeitsprüfung, Lärmschutz, Luftreinhalteverordnung, Befahrbarkeit der Inseln, Sichtschutz etc.

Der städtische Bauchef hat das, nach massiver Kritik aus den Reihen der Bürger, abgegebene Versprechen auch ein Projekt ohne Bäume zu erstellen nicht eingehalten (Zürichsee-Zeitung, 23. März 2018).

Der Stadtrat hat es – begründet mit fehlender gesetzlicher Basis – abgelehnt, unsere NEIN-Argumente auf 3-4 Seiten ins Abstimmungsbüchlein für den 17. November aufzunehmen. Freiwillig wollte sie dies auch nicht tun, um keine Präjudiz zu schaffen.

Kosten
Der Souverän soll über ein Projekt…

Der Souverän soll über ein Projekt mit einer Kostenungenauigkeit von +/- 30 Prozent bei veranschlagten 82 Mio. Franken abstimmen. Also mögliche Kosten bis 107 Mio. Franken; bei einem Anteil der Stadt von 28 bis 36 Mio. Franken. Das ist etwas gar viel finanzielle Ungewissheit.

Ohne ganzheitliches, die ganze Stadt und ihr Strassennetz umfassendes Verkehrskonzept – mit all den anderen noch anfallenden Folgekosten – sind 100 Millionen allein für die Hauptverbindungsachse Ost-West nicht gerechtfertigt. Auch wenn es jetzt als «Generationenprojekt» über mehrere Jahrzehnte gepriesen wird.

Noch nicht bekannt und ausgewiesen sind die absehbaren jährlichen Betriebs- und Unterhaltskosten für die ausgebaute Strasse. Beschaffung, Bewässerung, Pflege, Unterhalt und Ersatz kranker Bäume.

Letztlich geht es bei der Abstimmung darum, das «Freibillet» für die Realisierung des Projekts in der vorgeschlagenen Form zu erhalten. Nach einem «JA» am 17. November ist für die Stadtbevölkerung keine Mitsprache mehr – sprich weitere Abstimmungen – vorgesehen, ausser es würden namhafte Änderungen an den Plänen vorgenommen.

Umwelt
Für das Projekt sollen 12’000 m2…

Für das Projekt sollen 12’000 m2 Fläche (das entspricht rund 2 Fussballfeldern) für Busspur, Rad- und Fusswege asphaltiert (versiegelt) werden. Diese Fläche generiert zusätzliche Hitze im Sommer, Staub und Unterhalt und wirkt dem natürlichen Versickern von Wasser entgegen.

Diesem Flächenbedarf fällt ein beträchtlicher Teil derzeit bestehender privater Grünflächen (Begrünungen, Sträucher, Bäume) zum Opfer. Es stellt sich die Frage, ob das durch «Design»-Bäume auf der Strassenachse kompensiert werden kann (CO2, Hitze)? Zudem sind derartige städtische Baumansiedlungen schon heute teilweise in einem bedenklichen Zustand, z. B. beim Stampf-Parking.

Es ist unbestritten schwierig, überhaupt einheimische Baumsorten zu finden, welche diesen harten Bedingungen (Salz, Hitze, Trockenheit, Verastung, Bewurzelung) einerseits trotzen und andererseits eine hohe CO2-Absorbierung und Schattenleistung gewährleisten können.

Auf jeden Fall ist die Biodiversität in geeignet bepflanzten privaten Gärten und städtischen Parks in jedem Fall höher zu bewerten als eine Monokultur von gestressten Bäumen im Strassenraum.

Durch die höhere Anzahl Lichtsignale, den Verzicht auf Kreisel, durch zusätzliche gesteuerte Fussgängerquerungen und Bushaltestellen in der Fahrspur, erhöhen sich Stop-and-Go-Effekte, Anfahrlärm und Abgase. Es ist sogar mit einem erhöhten CO2-Ausstoss und mehr Staus zu rechnen.

Städtisches Verkehrsnetz
Wann liegt ein für die Bevölkerung…

Wann liegt ein für die Bevölkerung verständliches gesamtstädtisches Verkehrskonzept vor, welches alle Achsen und Strassen der Stadt umfasst und ihre Funktionen in Bezug auf Verkehrsströme und die verschiedenen – teils neuen – Verkehrsteilnehmer verständlich darlegt? Hier ist die Stadt RJ gefordert, dem Kanton klare Rahmenbedingungen vorzugeben.

Wohl in Anbetracht der bevorstehenden Abstimmung wurde nach jahrelanger Stille nun kurzfristig das Projekt «Sanierung Alte Jonastrasse» im Stadtforum präsentiert. Natürlich nicht ohne zu betonen, dass diese Sanierung mitunter auf einem «JA» zum Projekt «Lebensader» Neue Jonastrasse – St. Gallerstrasse basiere.

Es ist bedauerlich, dass eine Umfunktionierung der Alten Jonastrasse zu einer Langsamverkehrsachse mit Busspur und einer teilweisen Führung im Einbahnverkehr von den städtischen Verantwortlichen mit den kürzlich vorgelegten Plänen verworfen wurde.

Die Ost-West-Achse Neue Jonastrasse – St. Gallerstrasse als einzige Verbindung vom Seedamm zum Dionys wird noch auf Jahre hinaus den Hauptzweck haben, den motorisierten Durchgangsverkehr möglichst reibungslos durch die Stadt zu führen. Sie ist und bleibt primär eine Durchgangsstrasse; dem ist Rechnung zu tragen.

Dem Südquartier wird viel zugemutet: Es wächst ungebremst seit Jahren (HSR, Kinderzoo, Lido, privater Wohnungsbau, HSR-Campus). Zudem sind geplant: Neubau Berufsschule, Lido und Event-Arena KNIE. Weiter eine Lakers-Trainings- und Unihockeyhalle im Grünfeld. Alles bringt Mehrverkehr. Die Verkehrserschliessung hingegen ist seit vielen Jahrzehnten dem erfolgten Wachstum nie angepasst worden.

Warum endet diese «Lebensader» der «Stadt mit zwei Herzen» am Cityplatz und nicht logischerweise beim Seedamm? Scheut man das heisse Eisen Untere Bahnhofstrasse, welches sicherheitstechnisch zum Gefährlichsten dieser Stadt zählt?

Knoten Feldli/St. Gallerstrasse: Die Bürgerinnen und Bürger von Rapperswil-Jona haben dieses Teilstück erst 2017 an der Urne abgelehnt. Nun liegt es wieder exakt gleich auf. Ist das demokratisch?

Für das aktuelle und zukünftige Gesamtverkehrsaufkommen aus und ins Südquartier liegen  keine Lösungsansätze vor. Die Achse wird auch immer mehr als A53-Zubringer benutzt.

Gemäss Kantonsratsbeschluss im Strassenbauprogramm 2019-2023 müssen Bushaltestellen grundsätzlich, wo immer möglich, in Busbuchten realisiert werden. Beim Kreuz in Jona hingegen soll  eine bestehende Busbucht aufgehoben und in den Strassenraum gelegt werden.

Tunnel Mitte
Es ist unverständlich, dass man den…

Es ist unverständlich, dass man den geplanten Volksentscheid über das Tunnelprojekt (in Aussicht gestellt auf 2022) nicht abwartet, bevor man dieses teure 100 Millionen Projekt in Angriff nimmt? Das ist Zwängerei.

Stadt und Kanton stellen sich auf den unverständlichen Standpunkt, dass das Projekt mit oder ohne Tunnel stimmig und angemessen sei und dass eine mögliche Inbetriebnahme Tunnel Mitte bestenfalls 2040 möglich sei. Gleichwohl spricht die Stadt bei der Realisierung dieser «Lebensader» Neue Jonastrasse – St. Gallerstrasse nun schon von vergleichbaren Zeiträumen bis hin zur endgültigen Realisierung. Also wäre Zuwarten und eine Vorlage in einem stimmigen Doppelpack vertretbar.

Den Bürgerinnen und Bürgern werden keine konkreten Aussagen über die Auswirkungen einer Verkehrsentlastung (Tunnel) vorgelegt. Diese muss zwangsläufig eine bedeutende Reduktion des Verkehrs auf den städtischen Durchgangsachsen bringen und damit eine völlig veränderte Ausgangslage für die innerstädtische Verkehrsführung und -belastung. Das vorliegende Projekt greift in nicht akzeptabler Art und Weise diesem bedeutenden wegweisenden Entscheid vor.

Sicherheit
Die Stadt argumentiert mit «städtebaulichen Impulsen»…

Die Stadt argumentiert mit «städtebaulichen Impulsen» und mit Sicherheit. Fakt ist: innert drei Jahren geschahen auf der Neuen Jonastrasse – St. Gallerstrasse zwei Unfälle mit Fussgängern und sieben mit Radfahrern (Quelle: Detaildokumentation der Stadt RJ). Es besteht also kein Sicherheitsproblem wie es suggeriert wird.

Trotz den enormen Kosten und baulichen Eingriffe wird die allseits begrüsste separate Busspur auch nach dem Umbau nicht durchgehend sein. Der Langsamverkehr wird sich auf einigen Abschnitten auf dieser bewegen müssen – was sicherheitstechnisch nicht unbedenklich ist.

Am westlichen Ende der «Lebensader», beim Cityplatz, wird die Velospur eingeklemmt zwischen der Auto- und der Busspur. Weiter geht es in Richtung Bahnhof Seedamm ohne Velostreifen, ausser man fahre geradeaus Richtung Rathaus und weicht so diesem sehr gefährlichen Abschnitt aus.

Ab den Quartierstrassen, die in die Neue Jonastrass – St. Gallerstrasse münden, werden die Autofahrer beim Einbiegen in Zukunft Radstreifen, Füssgängerzone und Mittelstreifen queren müssen, was im Vergleich zu heute zusätzliches Gefahrenpotential schafft.

Wünschbar – und durchaus modernem Städtebau entsprechend – wäre es, die bestehenden Radwege zu optimieren, neue Wege durch die Quartierstrassen zu definieren und die Velos aus Sicherheitsgründen von der Hauptverkehrsachse Ost-West wo immer möglich auf diese zu verlagern. Dies brächte entschieden mehr Sicherheit und Komfort, auch wenn mal ein paar Meter mehr zurückgelegt werden müssen.

Privatligenschaften
Vom Projekt betroffen sind viele private…

Vom Projekt betroffen sind viele private Liegenschaften. Das reicht vom Abtreten von Landfläche in kleinerem und grösserem Umfang bis hin zum Wegfall ganzer Vorgärten, von Parkplätzen, Eingangs- und Zutrittsbereichen sowie Einschränkungen oder gar Verhinderung bei der Grundstückserschliessung.

Bei einigen Liegenschaften würde die vorgesehen Baulinie der Strasse direkt der Hauswand entlang verlaufen oder gar ins Gebäude hinein reichen. Verschiedene Bauten wären in der bestehenden Form nicht mehr haltbar. Sie müssten der Strasse weichen, abgebrochen und entsprechend den gesetzlichen Vorgaben und den Strassenplänen neu erstellt werden.

Bei einem «JA» zu diesem Strassenrojekt bliebe den vielen betroffenen Anstössern nur noch der teure Rechtsweg gegen die Pläne von Kanton und Stadt. Letztlich droht die Enteignung. Sie müssten dann also herhalten für die verkehrstechnischen Versäumnisse der letzten Jahrzehnte.